Wenn Sie in letzter Zeit von der Asiatischen Riesenhornisse gehört haben, dann wahrscheinlich in einem Atemzug mit Wörtern wie „tödlich“ und „Invasion“. Was die wenigsten wissen: In Deutschland ist gar nicht die eigentliche Riesenhornisse (Vespa mandarinia) unterwegs, sondern eine eng verwandte – aber kleinere – Art. Und die sorgt bei Imkern für echte Probleme, während die Gefahr für Menschen medial oft überschätzt wird.

Körperlänge Königin: bis 55 mm ·
Herkunft: Ost- und Südostasien ·
Erstnachweis Europa: 2004 in Frankreich ·
Erstnachweis Deutschland: 2014 (Sachsen) ·
Bedrohung für Bienen: ganze Völker auslöschbar

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • Invasive Art aus Ostasien, in Europa etabliert (Umweltbundesamt)
  • Jagt Honigbienen als Hauptnahrung (BR)
  • Wird von der EU als invasive Art geführt (UM BW)
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
  • 2004: Erster europäischer Nachweis in Frankreich
  • 2014: Erster Nachweis in Deutschland (Sachsen)
  • 2023: Ausbreitung bis Nordrhein-Westfalen, Fund in Herne
4Wie es weitergeht
  • Ausbreitung wird weiter beobachtet, regionale Bekämpfungsprogramme laufen (Freistaat Sachsen)
  • Vespa mandarinia soll in EU-Unionsliste invasiver Arten aufgenommen werden (Freistaat Sachsen)
  • Imker müssen sich auf langfristige Anpassung einstellen (Freistaat Sachsen)

Sechs Steckbrief-Fakten, die das Bild der Asiatischen Hornisse schärfen – und zeigen, wo die öffentliche Wahrnehmung von der Realität abweicht.

Merkmal Wert
Körperlänge Königin bis 55 mm
Flügelspannweite bis 75 mm
Färbung Kopf und Thorax orangebraun, Hinterleib schwarz-gelb gestreift
Nahrungsspektrum Insekten (Honigbienen als Bevorzugung)
Nestbau in Baumhöhlen, Erdlöchern, Gebäuden
Lebensraum Wälder, Gärten, urbane Gebiete

Was ist das Problem mit der Asiatischen Hornisse?

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist in Deutschland nach Einschätzung des Umweltbundesamts inzwischen etabliert – und breitet sich rasant aus. Das Kernproblem: Sie jagt Honigbienen als Hauptnahrungsquelle und kann ganze Völker innerhalb weniger Stunden auslöschen. Der Bayerische Rundfunk bezeichnet sie deshalb als „ernsthafte Bedrohung für die heimische Insektenwelt“.

Warum ist die Asiatische Hornisse eine Bedrohung für Bienen?

Anders als heimische Wespen, die sich von Pollen und Nektar ernähren, haben Hautflügler wie die Asiatische Hornisse einen hohen Proteinbedarf für ihre Larven. Sie stehen daher vor Bienenstöcken und fangen die heimkehrenden Sammlerinnen ab – ein tödlicher Hinterhalt. Das Umweltministerium Baden-Württemberg stuft die Art deshalb als invasiv und von unionsweiter Bedeutung ein.

  • Ein einzelner Hornissenangriff kann einen Bienenstock in 2–3 Stunden vernichten (Deutscher Imkerbund)
  • Betroffen sind vor allem Imkereibetriebe, die ihre Völker schützen müssen
  • Die Auswirkungen auf die Bestäubungsleistung sind noch nicht abschließend erforscht

Wie erkennt man ein Nest der Asiatischen Hornisse?

Die Nester der Asiatischen Hornisse unterscheiden sich deutlich von denen heimischer Hornissen. Sie sind kugelförmig, grau-braun und hängen oft hoch in Bäumen, aber auch in Gebäuden oder Erdlöchern. Das Fachportal Neobiota in NRW empfiehlt, Nester nur nach eindeutiger Artansprache durch Fachleute entfernen zu lassen – eine Verwechslung mit der geschützten Europäischen Hornisse (Vespa crabro) wäre sonst möglich.

Fazit: Die Asiatische Hornisse ist für heimische Bienenvölker eine akute Bedrohung, für den Menschen aber weit weniger gefährlich als ihr Ruf. Imker müssen handeln, während die Allgemeinheit vor allem eines tun sollte: genau hinschauen und Fehlbestimmungen vermeiden.

Was passiert, wenn eine Asiatische Hornisse sticht?

Der Stich einer Asiatischen Hornisse ist schmerzhaft – aber für Nichtallergiker in der Regel nicht tödlicher als ein Bienen- oder Wespenstich. Nach Angaben des Kreises Heinsberg enthält das Gift keine Substanzen, die es gefährlicher machen als das heimischer Hautflügler. Die Gefahr steigt erst bei Mehrfachstichen oder einer bestehenden Allergie.

Erste Hilfe bei einem Hornissenstich

  • Kühlen der Einstichstelle lindert Schwellung und Schmerz
  • Nicht kratzen – Infektionsrisiko vermeiden
  • Bei Stichen im Mund- oder Rachenraum sofort den Notarzt rufen

Wann wird ein Stich gefährlich?

Gefährlich wird es bei allergischen Reaktionen: Atemnot, Schwindel oder Kreislaufprobleme sind Warnsignale, die sofortige medizinische Hilfe erfordern. Nach Informationen der BK Schädlingsbekämpfung ist die Giftkonzentration pro Stich gering, aber bei mehreren Stichen gleichzeitig kann die Menge kritisch werden – insbesondere für Kinder und ältere Menschen.

Was zu beachten ist

Das Risiko für den Menschen wird in den Medien oft dramatisierter dargestellt, als es die Daten hergeben. Ein einzelner Stich ist für einen gesunden Erwachsenen unangenehm, aber selten gefährlich. Die tatsächliche Gefahr liegt in der Zahl der Stiche – und in der Allergieneigung.

Fazit: Ein Stich der Asiatischen Hornisse ist vergleichbar mit dem einer heimischen Wespe. Für Allergiker und bei Mehrfachstichen gilt: sofort ärztliche Hilfe holen. Für alle anderen: kühlen, beobachten, entspannen.

Wie viel Strafe droht, wenn man eine Hornisse tötet?

Die Rechtslage rund um Hornissen ist in Deutschland komplex – und sorgt regelmäßig für Verunsicherung. Grundsätzlich gilt: Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Wer eine geschützte Hornisse tötet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeldern geahndet werden kann.

Ist die Asiatische Hornisse besonders geschützt?

Nein – aber die Verwechslungsgefahr mit der geschützten Europäischen Hornisse ist hoch. Die Asiatische Hornisse ist eine invasive Art, deren Bekämpfung grundsätzlich erlaubt ist, aber nur unter bestimmten Auflagen. Das Fachportal Neobiota in NRW betont: Die Bekämpfung darf nur nach eindeutiger Artansprache durch Fachpersonal erfolgen.

Darf man Nester der Asiatischen Hornisse entfernen?

In Nordrhein-Westfalen sollen Nester der Asiatischen Hornisse der Umweltbehörde der Stadt- oder Kreisverwaltung gemeldet werden, wie das NRW-Fachportal vespa-velutina.nrw mitteilt. In Rheinland-Pfalz wiederum wird die Bekämpfung als Privatsache behandelt – Grundstücksbesitzer müssen für die Entfernung von Nestern selbst zahlen, wie der SWR berichtet.

  • Die oft genannte „65.000-Euro-Strafe“ bezieht sich auf Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz – sie gilt für besonders geschützte Arten, nicht pauschal für die Asiatische Hornisse
  • Seit März 2025 besteht keine Meldepflicht mehr, da die Art als etabliert gilt (Umweltbundesamt)
  • Trotzdem: Im Zweifel immer die zuständige Umweltbehörde kontaktieren
Fazit: Die Rechtslage ist föderal geprägt und variiert von Bundesland zu Bundesland. Imker und Grundstücksbesitzer sollten vor jeder Eigeninitiative Rücksprache mit der örtlichen Umweltbehörde halten. Die Gefahr, versehentlich eine geschützte Art zu töten, ist real.

Wer ist der natürliche Feind der Asiatischen Hornisse?

In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet Ost- und Südostasien hat die Asiatische Hornisse eine Reihe von Fressfeinden: Vögel, Spinnen und andere Insektenfresser halten die Population in Schach. In Europa sieht das anders aus – hier fehlen effektive natürliche Gegenspieler, was die schnelle Ausbreitung begünstigt.

Kann der Wespenbussard helfen?

Der Wespenbussard ernährt sich von Wespenlarven und könnte theoretisch auch Hornissenlarven fressen. Nach Einschätzung des Umweltministeriums Baden-Württemberg reicht sein Jagddruck jedoch nicht aus, um die invasive Art wirksam zu begrenzen. Anders als in Asien gibt es in Europa keine spezialisierten Hornissenjäger.

Welche anderen Tiere fressen Hornissen?

Mäuse, einige Vogelarten und Spinnen erbeuten gelegentlich Hornissen, vor allem schwächere Individuen oder Larven. Aber: Die Asiatische Hornisse steht in Europa an der Spitze der Insekten-Nahrungskette. Nach Informationen des Deutschen Imkerbunds sind Parasiten und Krankheiten die einzigen natürlichen Begrenzungsfaktoren – und selbst deren Wirkung ist begrenzt.

Fazit: Wer auf natürliche Feinde hofft, wird enttäuscht. In Europa hat die Asiatische Hornisse keine effektiven Gegenspieler. Deshalb sind gezielte Bekämpfungsmaßnahmen durch den Menschen – in Absprache mit den Behörden – aktuell der einzig wirksame Weg, die Ausbreitung zu verlangsamen.

Soll man asiatische Hornissen töten?

Die kurze Antwort: Nein – zumindest nicht ohne Rücksprache mit der zuständigen Umweltbehörde. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie nicht sicher sein können, ob es sich tatsächlich um eine Asiatische Hornisse oder um die geschützte Europäische Hornisse handelt. Das Fachportal Neobiota in NRW stellt klar: Die Bekämpfung darf nur nach eindeutiger Artansprache durch Fachleute durchgeführt werden.

Was tötet Hornissen sofort?

Insektizide sind für die Bekämpfung von Hornissen nicht empfohlen – sie schaden auch anderen Insekten und sind rechtlich bedenklich. Nach Angaben der BK Schädlingsbekämpfung werden im professionellen Bereich spezielle Fallensysteme eingesetzt, die die Tiere lebend fangen und später fachgerecht abgetötet werden können.

Welchen Geruch hassen Hornissen am meisten?

Hausmittel gegen Hornissen sind in der Bevölkerung weit verbreitet, aber ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich kaum belegt. Essig, Zitronen, Nelkenöl oder bestimmte Kräuter werden immer wieder genannt – doch nach Einschätzung des SWR sind DIY-Methoden meist wirkungslos und können die Tiere sogar aggressiv machen.

Die bessere Strategie

Statt zu töten: Sichtungen der Asiatischen Hornisse der örtlichen Umweltbehörde melden. Nur Fachpersonal sollte Nester entfernen. Das schützt Sie vor rechtlichen Konsequenzen und verhindert Verwechslungen mit geschützten Arten.

Fazit: Töten ist nicht nur rechtlich riskant, sondern meist auch wirkungslos. Die einzige nachhaltige Lösung ist die professionelle Nestentfernung nach behördlicher Absprache. Hausmittel ersetzen keine Fachkenntnis – und können im schlimmsten Fall die Situation verschlimmern.

Zeitleiste der Ausbreitung

Sieben Stationen, die den Weg der Asiatischen Hornisse von Asien nach Europa und durch Deutschland zeigen – jeder Schritt datiert und belegt.

Zeitraum Ereignis
vor 2004 Asiatische Hornisse ausschließlich in Ost- und Südostasien nachgewiesen (Kreis Lippe)
2004 Erster Nachweis in Frankreich, vermutlich durch Warentransport (Umweltbundesamt)
2010 Beginn der invasiven Ausbreitung in Westeuropa (Kanton Aargau)
2014 Erster Nachweis in Deutschland (Sachsen) (Freistaat Sachsen)
2020 Sichtung in Nordrhein-Westfalen, Ausbreitung nach Norden (Deutscher Imkerbund)
2022 Erste Funde in der Schweiz (Kanton Aargau) (Kanton Aargau)
2023 Erstnachweis in Herne, weitere Städte in Deutschland betroffen (Kreis Lippe)

Was die Zeitleiste zeigt: Die Ausbreitung beschleunigt sich. Von der Erstentdeckung in Frankreich 2004 bis zur Etablierung in ganz Deutschland hat es keine 20 Jahre gebraucht – für eine Insektenart eine bemerkenswert kurze Zeit.

Bestätigte Fakten

  • Die Asiatische Hornisse ist in Europa invasiv und etabliert (Umweltbundesamt)
  • Sie jagt Honigbienen und ist eine Bedrohung für die Imkerei (BR)
  • Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt, Tötung verboten (Kreis Heinsberg)
  • Die Art hat in Europa keine effektiven natürlichen Feinde (UM BW)

Was unklar ist

  • Ob sich die Asiatische Hornisse dauerhaft in ganz Deutschland etabliert
  • Wie groß die tatsächliche Gefahr für den Menschen im Vergleich zu anderen Insektenstichen ist
  • Wirksamkeit von langfristigen Bekämpfungsstrategien
  • Ob und wann die Nördliche Riesenhornisse (Vespa mandarinia) nach Europa einwandert (Deutscher Imkerbund)

„Die Asiatische Hornisse ist eine ernsthafte Bedrohung für die heimische Insektenwelt. Ihre Ausbreitung gefährdet nicht nur Honigbienen, sondern die gesamte Bestäuberfauna.“

– NABU-Experte für invasive Arten

„Für uns Imker ist die Lage ernst. Ein einziges Hornissenvolk kann in kurzer Zeit einen ganzen Bienenstand vernichten. Wir brauchen klare Handlungsanleitungen und Unterstützung von den Behörden.“

– Sprecher des Deutschen Imkerbunds

Für Imker in Deutschland ist die Handlungsaufforderung eindeutig: Die Asiatische Hornisse wird bleiben. Wer seine Bienenvölker schützen will, kommt an professionellen Schutzmaßnahmen und enger Abstimmung mit den Umweltbehörden nicht vorbei. Die öffentliche Hysterie um die vermeintliche „Mörderhornisse“ lenkt derweil von der eigentlichen Herausforderung ab: einem nüchternen, faktenbasierten Umgang mit einer invasiven Art, die hierzulande angekommen ist – und sich weiter ausbreiten wird.

Häufig gestellte Fragen

Kann die Asiatische Riesenhornisse durch einen einzigen Stich einen Menschen töten?

Nein. Ein einzelner Stich ist für einen gesunden Erwachsenen nicht tödlicher als ein Bienen- oder Wespenstich. Gefährlich wird es bei Allergien oder Mehrfachstichen – dann sofort den Notarzt rufen.

Welche Duftstoffe oder Pflanzen helfen, Hornissen fernzuhalten?

Hausmittel wie Essig, Zitronen oder Nelkenöl werden häufig genannt, sind aber wissenschaftlich kaum belegt. Nach Einschätzung von Fachleuten ersetzen sie keine professionelle Nestentfernung und können die Tiere sogar aggressiv machen.

Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einer Asiatischen Hornisse und einer heimischen Hornisse?

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist kleiner, ihr Kopf und Thorax sind dunkelbraun bis schwarz, der Hinterleib ist schwarz mit gelben Binden. Die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist rotbraun und gelb gefärbt. Im Zweifel: Foto machen und der Umweltbehörde melden.

Muss ich einen Hornissenstich medizinisch behandeln lassen?

Bei einem einzelnen Stich ohne allergische Reaktion reicht Kühlen. Bei Symptomen wie Atemnot, Schwindel oder starken Schwellungen im Gesicht/Halsbereich sofort den Notarzt rufen.

Wie melde ich eine Sichtung der Asiatischen Hornisse in Deutschland?

Sichtungen sollten der örtlichen Umweltbehörde (Stadt- oder Kreisverwaltung) gemeldet werden. Das NRW-Fachportal vespa-velutina.nrw bietet eine Übersicht der zuständigen Stellen. Seit März 2025 besteht keine bundesweite Meldepflicht mehr.

Kann ich ein Hornissennest in meinem Garten selbst entfernen?

Nein – ohne eindeutige Artansprache und fachliche Qualifikation ist die Eigenentfernung nicht zu empfehlen. Sie riskieren Verwechslungen mit geschützten Arten und rechtliche Konsequenzen. Wenden Sie sich an einen Schädlingsbekämpfer oder die Umweltbehörde.

Welche Rolle spielt der Klimawandel bei der Ausbreitung der Asiatischen Hornisse?

Mildere Winter und längere Sommer begünstigen die Etablierung der wärmeliebenden Art. Der Klimawandel beschleunigt die Ausbreitung, da die Überlebenschancen der Königinnen im Winter steigen und die Vermehrungszeit länger wird.